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Immanuell Kant, mein Weg zum Verständnis

C 13 Immanuel Kant

Unter den Philosophen, die sich mit Gott befassen, ist für mich Immanuel Kant der wichtigste, aber auch der schwierigste. Dieser große, tiefe und umfassende Denker hat mich während meines Lebens mehrmals zum Studium seiner wegweisenden Lehren herausgefordert, aber ich bin jedes Mal gescheitert.

Jetzt schreibe ich dieses Essay, das in religiöser und philosophischer Sicht die Rundung meines Lebens bestärken soll.  Da spielt Kant eine entscheidende Rolle und diesmal will ich vor diesem geistigen Himalaya nicht resignieren. Ich will mich nicht darauf beschränken, seine scharfsinnige Widerlegung der üblichen Gottesbeweise darzustellen und mich über seine Feststellung zu freuen, dass auch die Nichtexistenz Gottes nicht bewiesen werden kann und dass die Existenz Gott zumindest als moralisches Postulat angesehen werden müsse.

Nein, diesmal werde ich den Berg besteigen und in Abkehr von dem bisherigen Aufbauschema in einem besonderen vorangestellten Exkurs meinen Erkenntnisweg zu Kants Kritik der reinen Vernunft beschreiben. Dabei will ich keine Art von Philosophiegeschichte vorstellen, sondern meinen steinigen Gang durch dieses Meisterwerk gehen mit einer persönlichen Auswahl der Themen, mit Fragen, mit möglichen Aporien und auch mit dem Eingeständnis, Passagen nicht verstehen zu können.

Nach diesem Einschub werde ich Kants spezielle Gotteslehre präsentieren.

C 13 1.Mein Weg zu Kant

Ich werde mich fast ausschließlich mit der „Kritik der reinen Vernunft“ beschäftigen (nachstehend nur „Kritik“ genannt), wobei ich nach der Seitenzählung der Akademieausgabe zitieren werde. Ich will vor allem Kant zu Wort kommen lassen und meine sich entfaltenden Erkenntnisse jeweils durch einschlägige Ausführungen Kants belegen.

Ich beginne mit den Vorreden zur ersten und zweiten Auflage der Kritik, die dann noch durch die Einleitung erweitert wird und werde insbesondere auch die Prolegomena hinzuziehen. Letztere hat Kant zur Erläuterung geschrieben, nachdem die Kritik anfangs nicht verstanden wurde und deshalb unbeachtet blieb.

„Die menschliche Vernunft hat das besondere Schicksal in einer Gattung ihrer Erkenntnisse: dass sie durch Fragen belästigt wird, die sie nicht abweisen kann, denn sie sind ihr durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben die sie aber auch nicht beantworten kann , denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft. ……. Weil die Fragen niemals aufhören, so sieht sie sich genötigt, zu Grundsätzen ihre Zuflucht zu nehmen, die allen nötigen Erfahrungsgebrauch überschreiten und gleichwohl so unverdächtig erscheinen, dass auch die gemeine Menschenvernunft damit im Einverständnisse steht. Dadurch aber stürzt sie sich in Dunkelheit und Widersprüche, die sie aber nicht entdecken. kann, weil die Grundsätze, deren sie sich bedient, da sie aber über die Grenze der Erfahrung hinausgehen, keinen Probierstein der Erfahrung mehr anerkennen. Der Kampfplatz dieser endlosen Streitigkeiten heißt nun Metaphysik“ (a.a.O.  AA7).

 Von diesen ersten Sätzen in Kants Vorrede zur ersten Auflage fühle ich mich auch emotional angesprochen, weil er damit ein essentielles Problem und Anliegen der Menschen darlegt, über die uns unsere sinnliche begrenzte Erfahrung keine Auskunft erteilt. Es geht vor allem um unsere Fragen nach Gott, dem ewigen Leben, der Seele, dem Zustand nach dem Tod, dem Sinn des Lebens und dem freien Entscheidungswillen, also den Gegenständen der Metaphysik.  Weil es in diesem Bereich keine objektiven Erkenntnisse gibt, die von allen Menschen aufgrund von vergleichbaren sinnlichen Erlebnissen erworben werden können und nur die individuelle Phantasie die Herrschaft innehat, herrscht, wie Kant das sagt, in der Metaphysik ein endloser Streit.  Um diesen Streit zu schlichten und gleichzeitig zu prüfen ob man die Metaphysik als Wissenschaft betrachten kann, schreibt Kant seine Kritik mit AA 552 Seiten.  

Die Ausgangssituation ist für Kant dadurch gekennzeichnet, dass dem in Europa herrschenden Rationalismus, dem auch Kant während der Studienzeit und während der ersten Hälfte seines Berufslebens verpflichtet ist, ein mächtiger Antagonist entgegengetreten war, nämlich der sich in der angelsächsischen Geisteswelt entfaltete Empirismus. Diese Konfrontation verursachte bei Kant ein Erweckungserlebnis, das ich nachstehend mit Kants eigenen Worten aus seinen Prolegomena belegen möchte. (Prolegomena, herausgeben von Karl Vorländer in Philosophischer Bibliothek. Bd.40, Nachdruck 1976 in Meinem Verlag).

Ich gestehe frei: die Erinnerung des David Hume war eben dasjenige was mir vor vielen Jahren zuerst den dogmatischen Schlummer unterbrach und meinen Untersuchungen im Felde der spekulativen Philosophie eine ganz andere Richtung gab“.  (a.a.O. S. 6/7).

Kant hatte offensichtlich David Humes Werk „Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand“ gelesen und dort eine revolutionäre Vorstellung über das Wesen der Ursache erfahren und dies wie folgt erörtert:

„Seit dem Entstehen der Metaphysik, soweit die Geschichte derselben reicht, hat sich keine Begebenheit zugetragen, die in Ansehung des Schicksals dieser Wissenschaft hätte entscheidender werden können, als der Angriff, den David Hume auf dieselbe machte……

Hume ging hauptsächlich von einem einzigen, aber wichtigen Begriff der Metaphysik, nämlich dem der Verknüpfung der Ursache und Wirkung (mithin auch dessen Folgebegriffe der Kraft und Handlung usw.) aus und forderte die Vernunft, die da vorgibt, ihn in ihrem Schoße erzeugt zu haben, auf, ihm Rede und Antwort zu geben, mit welchem Rechte sie sich denkt: dass etwas so beschaffen sein könne, dass, wenn es gesetzt ist, dadurch auch etwas Anderes notwendig gesetzt sein müsse: denn das besagt der Begriff der Ursache. Er bewies unwidersprechlich, dass es der Vernunft gänzlich unmöglich sei, a priori und aus Begriffen eine solche Verbindung zu denken, denn diese enthält Notwendigkeit: Es ist aber gar nicht abzusehen, wie darum, weil Etwas ist, etwas Anderes notwendigerweise auch sein müsse, und wie sich also der Begriff von einer solchen Verknüpfung a priori einführen lasse. Hieraus schloss er, dass sich die Vernunft mit diesem Begriffe ganz und gar betrüge, dass sie ihn fälschlich für ihr eigen Kind halte, da er doch nichts anderes als ein Bastard der  Einbildungskraft sei, die, durch Erfahrung beschwängert, gewisse Vorstellungen unter das Gesetz der Assoziation gebracht hat und eine daraus entspringende subjektive Notwendigkeit, d.i. Gewohnheit , für eine objektive aus Einsicht unterschiebt. Hieraus schloss er , die Vernunft habe gar kein Vermögen, solche Verknüpfungen, auch selbst nur im allgemeinen zu denken, weil ihre Begriffe alsdann bloße Erdichtungen sein würden und alle ihre vorgeblich a priori  bestehenden Erkenntnisse wären nichts als falsch gestempelte allgemeine Erfahrungen, welches ebenso viel sagt als: es gebe überall keine Metaphysik und es könne auch keine geben“. (a.a.O. S. 3/4).

Kant beschreibt also den Kausalzusammenhang in der Weise, dass etwas so beschaffen ist, dass, wenn es gesetzt ist, also, wenn es tätig wird, etwas anderes notwendiger Weise   bewirkt. Der Kausalzusammenhang ist die Verknüpfung von Ursache und Wirkung. Nochmals mit meinen Worten: Wenn ein Umstand bzw. ein Auslöser seinem Wesen entsprechend tätig wird (Ursache), ruft er notwendigerweise eine in der Ursache definierte Reaktion (Wirkung) hervor.

„Es war nicht die Frage, ob der Begriff der Ursache richtig, brauchbar und in Ansehung der ganzen Naturerkenntnis unentbehrlich sei, denn dieses hatte Hume niemals in Zweifel gezogen; sondern ob er durch die Vernunft a priori gedacht werde und auf solche Weise einer von aller Erfahrung unabhängige innere Wahrheit und daher auch wohl weiter ausgedehnte Brauchbarkeit habe.“. (a.a.O. S.5).

Die Erkenntnis dieses Zusammenhangs ist nach den Vorstellungen des Rationalismus und auch von Kant ausschließlich einer Angelegenheit des Verstandes. Wenn dagegen Hume dafür unter Ausschließung des Verstandes allein die Erfahrung und die Gewohnheit für die Erkenntnis der Kausalität verantwortlich macht, findet er dafür nicht den Beifall Kants.  Aber Kant wird durch diese neuen Vorstellungen Humes angeregt, seine bisherige Position zu überdenken und wird damit gleichsam aus seinem dogmatischen Schlummer erweckt.

Kant hält die Folgerungen Humes zwar für „übereilt und unrichtig (a.a.O. S.4), respektiert sie aber und spricht ihr den Anspruch zu, dass man sich ausführlich und kritisch mit ihr auseinandersetze. Hume habe ihm, Kant, im Felde der spekulativen Philosophie eine ganz andere Richtung gegeben.

In dem anschließenden ausführlichen Zitat legt Kant dar, wie und zu welchem Ziel ihn die Erkenntnisse des David Hume geführt haben:

Wenn man von einem gegründeten, obzwar nicht ausgeführten Gedanken anfängt, den uns ein anderer hinterlassen, so kann man wohl hoffen, es bei fortgesetztem Nachdenken weiter zu bringen, als der scharfsinnige Mann kam, dem man den ersten Funken dieses Lichts zu verdanken hatte.

„Ich versuchte also zuerst, ob sich nicht Humes Einwurf allgemein vorstellen ließe, und fand bald: dass der Begriff der Verknüpfung von Ursache und Wirkung bei weitem nicht der einzige sei, durch den der Verstand a priori sich Verknüpfungen der Dinge denkt, vielmehr, dass Metaphysik ganz und gar daraus bestehe. Ich suchte mich ihrer Zahl zu versichern, und da dieses mir nach Wunsch, nämlich aus einem einzigen Prinzip gelungen war, so ging ich an die Deduktion dieser Begriffe, von denen ich nunmehr versichert war, dass sie nicht, wie Hume besorgt hatte, von der Erfahrung abgeleitet, sondern aus dem reinen Verstand entsprungen seien. Diese Deduktion …..diese, sage ich, war das Schwerste, das jemals zum Behuf der Metaphysik unternommen werden konnte; und was noch das Schlimmste dabei ist, so konnte mir Metaphysik … hierbei auch nicht die mindeste Hilfe leisten, weil jene Deduktion zuerst die Möglichkeit einer Metaphysik ausmachen soll. Da es mir nun mit der Auflösung des Humeschen Problems nicht bloß in einem besonderen Falle, sondern in Absicht auf das ganze Vermögen der reinen Vernunft gelungen war: so konnte ich sichere , obgleich immer nur langsame Schritte tun, um endlich den ganzen Umfang der reinen Vernunft , in seinen Grenzen sowohl als seinem Inhalt, vollständig und nach allgemeinen Prinzipien zu bestimmen, welches denn dasjenige war, was Metphysik bedarf, um ihr System nach einem sicheren Plan auszuführen“ (a.a.O. S. 7/8).

Durch Hume wird also Kant aufdrängend mit dem Gegensatz zwischen Empirismus und Rationalismus konfrontiert, in dem die Metaphysik eine unglückliche Rolle als unwissenschaftliche Wissenschaft spielt mit dogmatischer Anmaßung. Kant stellt in der kritischen n Aufarbeitung der Humeschen Kausallehre fest, dass nicht nur diese Ursachenbeziehung ein Produkt allein des Verstandes sei, sondern dass auch die gesamte Metaphysik durch den Verstand und nicht durch die Erfahrung generiert werde.  Dies gelingt ihm, wie er sagt, unter größten Mühen, indem er alle Gegenstände der Metaphysik einzeln auf ihre erkenntnismäßige Herkunft untersucht und damit gleichzeitig die Struktur der menschlichen Vernunft analysiert Dies führt im Ergebnis nicht nur zu einer neuen Erkenntnislehre, sondern auch zu eine Neubewertung der Metaphysik.

An dieser Stelle möchte ich mir nochmals verdeutlichen, dass Kants Hauptwerk „Kritik der reinen Vernunft“ heißt und dass es damit in erster Linie um eine Arbeit geht, durch die die Kompetenzen der menschlichen Vernunft untersucht werden. Anlass für diese großartige Studie ist das Humesche Kausalitätsproblem und das Ergebnis ist nicht nur die Erkenntnis der Struktur des menschlichen Denkens, sondern auch die Revision der Metaphysik.

Nach dieser Vorbetrachtung, der die Vorreden zur Kritik und vor allen die Prolegomena zugrunde gelegen hat, entschließe ich mich, nicht den 552 Seiten der Kritik zu folgen, sondern mich weiterhin an die Prolegomina zu halten, in der Kant die Kritik mit ihren maßgeblichen Ergebnissen eingedampft hat.  So hoffe ich, der Gefahr zu entgehen, mich in der voluminösen Kritik zu verlieren und trotzdem das hier angestrebte Ziel zu erreichen, Kant in seinen wesentlichen Ergebnissenn zu verstehen. 

Ich beginne mit den Vorerinnerungen, also den §§ 1-3 der Prolegomena, in der Kant die Grundlagen für seine weiteren Untersuchungen darlegt.

Zuerst, was die Quellen einer metaphysischen Erkenntnis betrifft, so liegt es schon in ihrem Begriffe, dass sie nicht empirisch sein könne. Die Prinzipien derselben (wozu nicht bloß ihre Grundsätze, sondern auch Grundbegriffe gehören) müssen also niemals aus der Erfahrung genommen sein; denn sie soll nicht physische, metaphysische, d.i. jenseits der Erfahrung liegende Erkenntnis sein. Also wird weder äußere Erfahrung, welche die eigentliche Quelle der Physik, noch innere, welche die Grundlage der empirischen Psychologie ausmacht, bei ihr zum Grunde liegen. Sie ist also Erkenntnis a priori oder aus reinem Verstande und reiner Vernunft“ (a.a.O. S.13).

Ich habe diesen Passus aufgenommen, weil hier Kant noch einmal überzeugend dartut, dass die Metaphysik, wie er sie vorgefunden hat, ein reines Verstandesprodukt ist und damit kein Gegenstand einer Wissenschaftlichkeit sein kann.

Jetzt aber zu den Grundlegungen:

Um die Vernunft in ihrer Struktur und in ihrer Arbeitsweise zu verstehen, betrachtet Kant die Produkte unserer ‚Vernunft. . Die Vernunft als oberstes Organ und der in ihr agierende Verstand präsentieren sich in der Außenwelt durch Aussagen, also durch grammatikalische Sätze, die Kant Urteile nennt.   

Kant unterscheidet zwischen analytischen und synthetischen Urteilen.

Analytische Urteile sind solche, bei denen die Aussage des Prädikats bereits im Subjekt des Satzes enthalten ist. Dies gilt zum Beispiel für den Satz, oder anders gesagt für das Urteil, das Kant gewählt hat: Alle Körper sind ausgedehnt. Ein Beispiel von mir: Kugel ist rund. Bei diesen Urteilen  erläutert das Prädikat lediglich das Subjekt  und fügt entsprechend den genannten Beispielen  zur Erkenntnis des Körpers oder der Kugel nicht das Mindeste hinzu. Alle analytischen Urteile sind darüber hinaus Urteile a priori, d.h. sie sind von der Erfahrung und der Wahrnehmung unabhängig und werden aus der Vernunft durch logisches Folgern gewonnen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Subjekt des Satzes ein Gegenstand der Erfahrung oder ein abstrakter Begriff ist, weil es lediglich auf die Beziehung zwischen Subjekt und Prädikat ankommt. Schließlich beruhen alle analytischen Urteile auf dem Satz des Widerspruchs. „Denn weil das Prädikat eines bejahenden analytischen Urteils  schon vorher im Begriff des Subjektes gedacht wird, so kann es von ihm ohne Widerspruch nicht verneint werden“(a.a.O. S. 15). Dies bedeutet, dass man nicht ohne Widerspruch behaupten kann, dass das Prädikat sei zum Subjekt gleichzeitig richtig und falsch. Ohne Widerspruch kann man also nicht vortragen, die Kugel sei rund und gleichzeitig nicht rund, also z.B. eckig.

Bei den synthetischen Urteilen fügt das Prädikat dem Subjekt etwas hinzu.   Es ergänzt das Subjekt mit einem neuen Umstand. Wenn ich sage: der Ball ist rot, dann ist dies eine Erweiterung des Begriffs“ „Ball“ und vergrößert meine Erkenntnis über diesen. Die synthetischen Urteile beruhen nicht auf dem Satz des Widerspruchs, weil man z.B.  ohne Widerspruch sagen kann, dass ein Ball nicht rot ist. Die meisten synthetischen Urteile sind a posteriori. Das heißt, dass sie auf der sinnlichen Wahrnehmung und damit auf der Erfahrung beruhen. Anders gesagt: Synthetische Urteile a posteriori sind Erfahrungsurteile oder sagen wir es mit Kant: „Erfahrungsurteile sind jederzeit synthetisch. Denn es wäre ungereimt, ein analytisches Urteil auf Erfahrung zu gründen, da ich doch aus meinen Begriffen gar nicht herausgehen darf, um das Urteil abzufassen und also kein Zeugnis der Erfahrung dazu nötig habe. Dass ein Körper ausgedehnt sei, ist ein Satz der a priori feststeht, und kein Erfahrungsurteil. Denn ehe ich zur Erfahrung gehe, habe ich alle Bedingungen zu meinem Urteil schon in dem Begriffe, aus welchem ich das Prädikat nach dem Satz des Widerspruchs nur herausziehen und dadurch zugleich der Notwendigkeit des Urteils bewusst werden kann, welche mir Erfahrung nicht einmal lehren würde“ (a.a.O.S.16).

Jetzt stellt sich die überaus wichtige und für die weiteren Untersuchungen Kants maßgebliche Frage, ob es auch synthetische Urteile a priori geben kann. Hierunter versteht Kant Urteile, die nicht auf der Erfahrung beruhen (a priori), aber im Gegensatz zu den analytischen Urteilen so gestaltet sind, dass das Prädikat das Subjekt des Satzes ergänzt, dass  also eine zusätzliche Erkenntnis  zum Subjekt gewonnen wird. Es handelt sich also um reine Verstandesurteile mit zusätzlichem Informationsgewinn. Wenn solche Urteile die Metaphysik beherrschen würden, wäre sie als echte Wissenschaft gerechtfertigt. Die Bemühungen Kants um die Lösung dieser Frage führen, wie schon gesagt, zur Erkenntnis des Wesens der Vernunft und zur Neubewertung der Metaphysik.

Das ist der erste Teil meiner Betrachtung. Die Fortsetzungen folgen in der nächsten Zeit.